Die zwei Seiten der Medaille

Zbyněk Zelenka

Zbyněk Zelenka

13. 1. 2021

Fünf positive Aspekte der aktuellen Situation

„Jede Medaille hat zwei Seiten“, haben unsere Eltern und Großeltern immer gesagt. Und da ist etwas Wahres dran.

Angesichts der Flut negativer Nachrichten möchte ich ein wenig für Ausgleich sorgen. Ja, die Lage ist ernst, aber schon oft in der Vergangenheit haben Menschen und Unternehmen auf der ganzen Welt Schwierigkeiten überwunden und sind schließlich gestärkt daraus hervorgegangen.

Ich gebe zu, dass es schwierig ist, an dieser Situation etwas Positives zu finden (auch wegen der Medien, die negative und schockierende Nachrichten bevorzugen, um Aufmerksamkeit zu erregen), aber als Inhaber eines seit mehr als existierenden Unternehmens fühle ich mich einfach verpflichtet, mich zu äußern und vielleicht etwas Optimismus zu verbreiten.

Können wir der aktuellen Coronakrise also etwas Gutes abgewinnen? Schließlich bereitet sie allen – auch unserer Übersetzungsagentur – nur Probleme. Viele Unternehmen stehen angesichts der momentanen Situation, deren Ende sich noch nicht abzeichnet, vor dem Konkurs.

Trotzdem glaube ich, dass es nicht schaden kann, den Blickwinkel zu ändern und zu versuchen, die nachweislich positiven Aspekte zu erwähnen.

1. Ausweitung des Home-Office

In unserer Übersetzungsagentur haben wir vor der Krise sorgfältig überlegt, wem wir es (unter welchen Bedingungen, wann und warum) erlauben, von zu Hause zu arbeiten. Es ging um Sicherheitsrisiken (vor allem in Bezug auf Software), das Vertrauen in die Mitarbeiter (gewissenhafte Erfüllung der Arbeit), den Nutzen für beide Seiten, die Kosten für Hard- und Software für die Firma, den technischen Betrieb usw.

All diese „Probleme“ haben sich im letzten Jahr plötzlich als lösbar herausgestellt. Und es funktioniert. Inzwischen können wir zwar wieder ins Büro (unter Berücksichtigung von Sicherheitsmaßnahmen), aber hier ist auf einmal sehr viel Platz. Viele Kollegen haben festgestellt, dass beides seine Vor- und Nachteile hat, und einige arbeiten weiterhin teilweise von zu Hause aus – und wir unterstützen dies voll und ganz.

Hatten wir in der Vergangenheit zum Beispiel die Befürchtung, dass Mitarbeiter zu Hause nicht mit dem richtigen Einsatz arbeiten, hat sich das als völlig unberechtigt erwiesen. Ich muss sagen, ich bin stolz darauf, wie unser Team mit den Einschränkungen umgegangen ist und bis heute umgeht.

Ich habe keinen Zweifel daran, dass es in anderen Unternehmen, in denen Home-Office möglich ist, genauso ist und die Angestellten zu Hause die gleiche gute Arbeit leisten wie zuvor im Büro.

Gleichzeitig ist mir klar, dass ich in unserer Branche, die Übersetzungsdienstleistungen anbietet, leicht reden habe. Es tut mir leid für alle, die nicht von zu Hause aus arbeiten können (Reisebüros, Fluggesellschaften, Restaurants – wir wissen alle, wer betroffen ist).

In unserem Fall allerdings, arbeiten unsere Übersetzer bereits ihr ganzes Leben lang daheim, sodass es für sie praktisch keine Umstellung war. Trotzdem muss ich sagen, dass wir uns alle darauf freuen, sie bei informellen Treffen wieder persönlich zu sehen.

Meiner Meinung nach ist das Home-Office eine gute Sache. Unsere Mitarbeiter sparen Zeit und Kosten für den Arbeitsweg, die Umwelt wird dadurch entlastet usw.

2. Wir lernen den persönlichen Kontakt und die „einfachen“ Dinge mehr zu schätzen

Man merkt, wie wichtig es ist, sich persönlich zu treffen (nicht nur am Bildschirm). Ich war ebenfalls Übersetzer und habe eine Zeit lang viel von zu Hause aus gearbeitet, genau wie später als Manager. Aber bei manchen Tätigkeiten ist das mühsam und ineffizient. Außerdem fängt man an, „menschenscheu“ zu werden. Daher wundere ich mich z.B. überhaupt nicht über Kinder, die sich wieder auf die Schule freuen (auf Freunde, auf die Lehrerin).

Nicht jeder hat die notwendige technische Ausrüstung zu Hause. Und natürlich kann es auch ein Problem sein (vor allem bei Kleinkindern), wenn beide Elternteile arbeiten und die Großeltern nicht zur Kinderbetreuung zur Verfügung stehen.

Es ist wichtig, sich bewusst zu sein, dass der Mensch ein Bedürfnis nach sozialen Bindungen und persönlichen Kontakten hat, sowohl bei der Arbeit als auch außerhalb. Dann schätzt man mehr, was einem plötzlich fehlt.

Und wenn sich die Lage beruhigt hat und wir uns wieder normal treffen können, bin ich bestimmt nicht der einzige, dem das Bier in seinem Lieblings-Biergarten besser schmeckt als je zuvor.

3. Neue Wege der Kommunikation – Workshops, Audits, Meetings, Interviews…

Die IT-Branche hat sehr schnell diverse Kommunikationssoftware perfektioniert. Diese hat viele Vor-, aber natürlich auch Nachteile. Eine gemeinsame Agenda für eine gewisse Anzahl von Personen kann auf diese Weise problemlos organisiert werden, genau wie Sprachkurse und andere Aktivitäten. Wir haben z.B. letztes Jahr sogar ein Online-Audit gemacht.

Es ist etwas anderes, sich etwa von einem Sprachkurs erst in letzter Minute (oder überhaupt nicht) abzumelden, als einfach nicht im Klassenraum zu erscheinen. Wenn ich viel zu tun habe, logge ich mich nicht für den Kurz ein, „ist ja egal“. Aber es ist eben nicht egal. Der Lehrer beispielsweise muss trotzdem bezahlt werden.

Also organisatorische Vorteile, Zeit- und Kostenersparnis, Gesundheitsschutz – das ist das Positive. Auf der anderen Seite steht leider die Entpersonalisierung von Beziehungen.

Trotzdem bin ich überzeugt, dass viele Unternehmen herausfinden, wie effektiv es ist, manche Dinge hauptsächlich online zu tun, und dies wahrscheinlich auch nach dem Ende der Pandemie beibehalten.

4. Verbesserung der Computerkenntnisse

Viele Menschen, vor allem Eltern, mussten schnell lernen, die neuen Kommunikationsmittel zu nutzen, insbesondere weil Schulen auf Distanzunterricht umgestellt haben. Obwohl dies natürlich nicht freiwillig geschah, kann es im Ergebnis ein großer Vorteil für diejenigen sein, die sich vorher noch nicht viel mit Computern beschäftigt haben.

Computerkenntnisse sind heute eine Grundvoraussetzung für eine Vielzahl von Berufen und Freizeitaktivitäten und es ist zu erwarten, dass sich diese Entwicklung in Zukunft noch verstärkt. Die aktuelle Situation zwingt uns, uns neues Wissen anzueignen. Das ist das Gute daran. Besonders Kinder haben sich in diesem Sinne sicherlich weiterentwickelt.

5. Erhöhung des Umsatzes einiger Unternehmen und berufliche Umorientierung

An dieser Stelle möchte ich den Inhabern von Firmen, die schließen mussten, nicht zu nahe treten, aber es existieren auch Bereiche, denen die Krise nicht geschadet hat. Natürlich sind das weniger als die geschädigten, aber es gibt sie (z. B. Lebensmittellieferanten, Internetfirmen, Online-Shops, Hardware- und Software-Firmen, Pharmaunternehmen usw.). Wie nach jedem „Krieg“ werden Arbeitskräfte also wahrscheinlich in andere Berufe abwandern.

Dieser Punkt hat noch einen weiteren wichtigen Aspekt.

Viele Unternehmen, denen es jetzt gut geht, schaffen neue Arbeitsplätze, suchen nach Teilzeitkräften, sind innovativ, zahlen Steuern, etc. Sie helfen, die Auswirkungen der Krise auf die gesamte Gesellschaft abzumildern und ermöglichen den Menschen, schwierige Zeiten zu überwinden. Dies sollten wir wertschätzen!

So können in Krisenzeiten viele Menschen aus betroffenen Unternehmen z. B. Lebensmittel und Einkäufe ausliefern, in Lagerhallen arbeiten, administrative oder andere Tätigkeiten für Unternehmen ausüben, die nicht schließen mussten. Sie müssen nicht untätig zu Hause sitzen, sondern können weiter arbeiten (auch wenn ein solcher Wechsel sicher nicht einfach ist) und ihre Familien ernähren.

Was unser Übersetzungsbüro betrifft, so halten wir immer noch durch und mussten keine Entlassungen vornehmen. Die Leistung unserer Agentur im Jahr 2020 blieb ungefähr gleich wie im Jahr 2019. Wir tun alle unser Bestes, um genügend Projekte zu haben, den Kunden weiterhin professionelle Übersetzungsdienstleistungen zu bieten und wie immer für unsere Übersetzer da zu sein. Wir werden sehen, wie sich alles entwickelt, aber wir bleiben optimistisch.

 

Die aktuelle Situation ist für niemanden einfach. Aber es liegt in meiner Natur, immer nach dem Guten zu suchen, weil dies hilft, auch schwierige Zeiten zu überwinden. Vielen Dank für das Lesen dieses Artikels, vielleicht hat er Ihnen ein wenig Optimismus für die kommenden Monate gegeben. Ich wünsche Ihnen, dass sie einfacher werden als die vorherigen und dass Sie alles gut überstehen.

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